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Sorgen viele Schweizer auch für einen einheimischen Sieg?

  • vor 19 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Bei der 62. Austragung des Profirennens, das zum zweiten Mal unter dem Namen GP Gippingen läuft und erstmals wieder am Schluss der Radsporttage, nämlich am Sonntag, dem 14. Juni, stattfindet, sind so viele Schweizer am Start wie schon seit Jahren nicht mehr. Da stellt sich die Frage: Gewinnt auch ein Schweizer?


August Widmer


Als letzter Schweizer hatte sich in Leuggern, wo der GP Gippingen seit genau zehn Jahren, Start und Ziel hat, Marc Hirschi im Jahre 2022 ins Siegerbuch eingetragen. Nach Hirschi holten die Belgier Thibau Nys (2023) und Maxim van Gils (2024) und vor Jahresfrist der US-Amerikaner Nelson Powless den Sieg. Dass ein Schweizer Sieg in Reichweite sein könnte, hat sicher einmal damit zu tun, dass am 14. Juni so viele einheimische Fahrer an den Start gehen wie schon lange nicht mehr. Das hat nicht nur damit zu tun, dass mit Tudor Pro Cycling und Pinarello Q36.5 Pro Cycling zwei in der Schweiz beheimatete ProTeams dabei sind. Mit dem Elite Fondations Cycling Team aus Genf ist erstmals auch wieder ein Schweizer Team der dritten Kategorie der Radmannschaften, der sogenannten Continental Teams, dabei. Aber auch in den vielen anderen Mannschaften, die am 14. Juni an den Start gehen werden, ist viel «Schweiz» dabei. So ist der Glarner Colin Stüssi im Team Voralberg, das seit Jahren in Gippingen dabei ist, der Leader. Einige Schweizer hat es in deutsche Continental Teams verschlagen. So fährt der Aargauer Nicola Schleuniger (Würenlos), im letzten Jahr Sieger der nationalen Rennserie um den Primeo Energie Cycling-Cup, zusammen mit Tim Riesen und Luca Jenni für das deutsche Team RUN & RACE – solarpur. Die beiden Aargauer Robin Kull (Villmergen) und Florian Hochuli (Strengelbach) fahren für das deutsche Continental Team Storck MRW Bau. Diese Mannschaft ist ebenso wie das Schweizer Team Elite Fondation eine von fünf Equipen, die erstmals am GP Gippingen am Start sind. In der italienischen Mannschaft Solution Tech NIPPO Rali Nippo fährt der Neuenburger Alexandre Balmer. Die Schweizer Nationalmannschaft, die auch in diesem Jahr am GP Gippingen Gastrecht erhält und ausschliesslich aus einheimischen Fahrern gebildet wird, ergibt sich schon aus dem Namen.


Hoffnungen ruhen auf dem Schweizer Meister

Wenn schon von Schweizer Favoriten die Rede ist, darf natürlich auch der Name des amtierenden Schweizer Meisters Mauro Schmid nicht unerwähnt bleiben. Von den Eidgenossen ist der in Sünikon bei Steinmaur aufgewachsene, nun in Wollerau im Kanton Schwyz lebende Schmid derjenige Fahrer, dem am diesjährigen Profirennen von den Einheimischen am ehesten ein Spitzenresultat zuzutrauen ist. Mit Spitzenresultaten am Amstel Gold Race, an der Flêche Wallone und bei Lüttich–Bastogne– Lüttich hat Schmid bewiesen, dass er definitiv in der Weltspitze angekommen ist. Für Schmid spricht nicht nur, dass er schon vor Jahresfrist als Vierter in Leuggern ins Ziel gekommen ist.



Comeback der Sturzopfer?

Vielmehr spricht für den Zürcher Unterländer auch, dass er im bisherigen Saisonverlauf noch nie gestürzt ist und Verletzungen auskurieren musste. Das kann von anderen Fahrern, die beim GP Gippingen auch schon im Mittelpunkt standen, nicht gesagt werden. So musste sich der letztjährige Sieger Nelson Powless nach einem Sturz am Knie operieren lassen. Ob er am 14. Juni überhaupt zur Titelverteidigung antreten kann, ist ungewiss. Ungewiss ist auch der Zustand von Lokalmatador Jan Christen. Der Dritte vom Vorjahr zog sich bei Mailand–Sanremo einen Schlüsselbeinbruch zu. Beim Heimrennen dürfte Jan Christen deshalb noch nicht in Bestform sein. Dies trifft auch auf Marc Hirschi und Stefan Küng, die beiden Aushängeschilder bei Tudor Pro Cycling Team, zu. Wenn sie am 14. Juni überhaupt am Start sind, dürfte dies in erster Linie eine Art Comeback sein und weniger damit zu tun haben, dass sie im Kampf um den Sieg eingreifen können und eingreifen wollen.


Wieder ein ausländischer Sieger?

Deshalb würde es nicht überraschen, wenn es auch bei der 62. Austragung des GP Gippingen einen ausländischen Sieg geben würde. Keine Überraschung wäre es auch, wenn dieser Sieger aus einer der sechs gemeldeten WorldTeams kommen würde. Bei EF Education-Eayspost leidet nicht nur Vorjahressieger Powless an Sturzverletzungen, sondern auch der Ire Ben Healy. Vielleicht kehren sie aber gerade Mitte Juni wieder ins Renngeschehen zurück und sind deshalb besonders zu beachten. Die beiden belgischen Teams Lotto und Intermarché, die am GP Gippingen seit vielen Jahren zu den Stammgästen gehören, haben fusioniert. Vor allem bei einer Sprintankunft ist der Belgier Arnaud de Lie zu beachten. In diesem Team auch dabei ist der deutsche Meister Georg Zimmermann. Er war nicht nur schon mehrmals am GP Gippingen dabei, sondern holte sich in seinen Anfangsjahren als Radsportler auch Siege beim Pfingstrennen in Ehrendingen und bei den Brugger Abendrennen. Bei Red Bull – BORA – hansgrohe ist nicht sicher, ob Olympiasieger Remco Evenepoel am Start sein wird. Bekanntlich haben die Teams die Möglichkeit, bis 48 Stunden vor einem Rennen die namentlichen Meldungen der Starter bekannt zu geben. Neben Maxim van Gils, dem Sieger von 2024, wird Nico Denz in den Farben des deutschen Teams sicher dabei sein. Der aus Waldshut stammende Denz wohnt gerade ennet der Grenze, und für ihn ist der GP Gippingen so etwas wie ein Heimrennen. Näher dran als Denz sind da nur die beiden Lokalmatadoren Fabio und Jan Christen und der erstmals wieder startende Silvan Dillier (Schneisingen), der Zweite von 2014. Fabio Christen wäre den GP Gippingen eigentlich für das Team Pinarello Q36.5 Pro Cycling gefahren. Auf Grund einer Verletzung nach einem Sturz am Giro d‘Italia wird er in Gippingen wohl leider nicht am Start stehen. Jan Christen und Silvan Dillier werden in der Schweizer Nationalmannschaft antreten. Dies deshalb, weil ihre Teams für den GP Gippingen nicht gemeldet sind. Mit XDS Astana ist ein weiteres WorldTeam mit von der Partie. Da gilt es, auf Alberto Bettiol zu achten. Der italienische Meister von 2024 wurde vor zwei Jahren Zweiter und ist als einer der routiniertesten Fahrer jederzeit für einen Spitzenplatz gut. Nachfolger von Bettiol als italienischem Meister wurde übrigens Filippo Conca, der für das australische Team Jayco AlUla fährt und beim GP Gippingen einer der Helfer von Mauro Schmid sein wird.



Einiges neu, auch der Sonntag

Am diesjährigen Gippinger Profirennen ist einiges neu. Dies, obwohl das Rennen seit 1963 mit Ausnahme des Corona-Jahres 2020 regelmässig ausgetragen wird. In der Jubiläumsschrift aus Anlass des 50-jährigen Bestens des GP Gippingen im Jahre 2013 hat der damalige Regierungsrat Alex Hürzeler zu Recht von «Beständigkeit» gesprochen. Auch von «Pioniergeist» sprach Hürzeler. Etwas, was auch auf die diesjährige Austragung zutrifft. So wird das ungarische Team MBH Bank CSB Telecom Fort erstmals in Gippingen am Start stehen. Es bringt viele neue Fahrergesichter an die Startlinie an das traditionsreiche Radrennen im Aargau. Bei dieser stark italienisch geprägten Mannschaft trifft man auf einen Namen, der in Radsportkreisen nicht unbekannt ist. In den Farben dieser Mannschaft geht nämlich auch Edoardo Cipollini an den Start. Dieser Cipollini hat mit 21 Jahren im Radsport zwar noch keine grossen Stricke verrissen, aber er hat einen bekannten Onkel: niemand anders als Mario Cipollini, den Weltmeister von Mailand–Sanremo von 2002. Nicht ganz neu ist, dass der GP Gippingen ab diesem Jahr nun wieder an einem Sonntag stattfindet. Im Vorfeld der Tour de Suisse fand das Rennen seit 2012 an einem Wochentag, an einem Donnerstag oder einem Freitag statt. Nachdem die Tour de Suisse auf fünf Tage «geschrumpft » ist und erst am Mittwoch, 17. Juni beginnt, kann der GP Gippingen in diesem Jahr nun erstmals wieder an einem Sonntag ausgetragen werden – etwas, was bis ins Jahr 2011 der Fall war. Das Organisationskomitee erhofft sich von diesem Wechsel auf den Sonntag zu Recht ein gestiegenes Interesse am grössten Eintagesradrennen der Schweiz.

 
 
 

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