Die vertraute Stimme hinter dem GP Gippingen
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Er ordnet ein, erklärt, baut Spannung auf – und bringt so das Renngeschehen näher ans Publikum: Christian Rocha ist die Stimme der Radsporttage Gippingen.
Nando Erne
Seine Anfänge liegen im Jahr 2010, als er als Assistent von André Merki erstmals hinter dem Mikrofon stand. Seit nun 15 Jahren führt er selbst durch das grösste und wichtigste Eintagesradrennen der Schweiz.

Seine Verbindung zu Gippingen reicht jedoch noch weiter zurück. Schon als Kind stand Christian Rocha an der Strecke, später fuhr er selbst Rennen – und kurz vor dem Ende seiner aktiven Laufbahn sogar den GP Gippingen. «Es ist fast ein Heimrennen für mich», fügt der gebürtige Ennetbadener an. Gleichzeitig ist es aber auch der Ort, an dem seine Speaker-Karriere ihren Anfang nahm. «Ich bin sehr dankbar, dass man mir damals als frischen, noch relativ unerfahrenen Speaker das Vertrauen geschenkt hat.» Dieses Gefühl der Dankbarkeit ist bis heute geblieben – und macht jeden Einsatz auch zu einem Moment der Verbundenheit mit dem Anlass.
Ein Anlass mit besonderem Geist
Der Radsport hat sich seit seinem ersten Einsatz stark verändert – professioneller, internationaler, schneller, kommerzieller. Auch Gippingen hat sich stetig weiterentwickelt, sei es mit angepassten Strecken, Zielgeländen oder Austragungsdaten. Für Rocha bleibt jedoch entscheidend: «Hier steht seit jeher der Sport im Mittelpunkt – und nichts anderes. » Gerade diese Bodenständigkeit unterscheide Gippingen von vielen anderen Veranstaltungen. Es gehe nicht primär um Vermarktung und Kommerzialisierung, sondern um echte Leidenschaft für den Radsport – getragen vom Engagement des VC Gippingen und der ganzen Region.
Diese Leidenschaft zeigt sich auch in den vielen Momenten, die Rocha über die Jahre erlebt hat. Einen einzelnen Höhepunkt herauszupicken, fällt ihm schwer. Es seien vielmehr die vielen kleinen und grossen Geschichten: Kinder, die ihre ersten Rennen fahren oder mit leuchtenden Augen Autogramme sammeln, genauso wie sportliche Höhepunkte. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Schweizer Siege von Michael Albasini und Marc Hirschi. Ein spezieller Moment war auch ein Interview mit John Degenkolb, einem Weltklassefahrer, der weltweit grosse Radrennen bestritt und in Gippingen damals den zweiten Platz belegte. Er lobte die Atmosphäre und die spürbare Leidenschaft, die hinter den Radsporttagen stecken. Es sei eines der schönsten Rennen für ihn gewesen. «Ein solches Kompliment an die Organisatoren von einem solchen Fahrer, der die grössten Rennen kennt, bleibt wirklich unvergessen und schmeichelt sehr», sagt Rocha.
Die Rolle als Speaker: mehr als nur kommentieren
Was nach aussen leicht wirkt, ist das Resultat intensiver Arbeit. Wochen vor dem Rennen beginnt Rocha mit der Vorbereitung: Startlisten studieren, Resultate verfolgen, Informationen sammeln und im engen Austausch mit dem OK stehen. Besonders die Teampräsentation verlangt viel Detailarbeit, da jeder Fahrer kurz eingeordnet werden soll.
Während des Rennens laufen dann alle Fäden zusammen – Funkmeldungen über Radiotour, den offiziellen Austauschkanal zwischen den Teams und den Kommissionären, kommen bei ihm genauso zusammen wie Livebilder aus der Fernsehübertragung, Gespräche mit Kommentatoren und Kommissären sowie spontane Recherchen. «Man muss filtern und gleichzeitig den Überblick behalten – und dann das Wesentliche dem Publikum vermitteln. » Doch es geht um mehr als reine Zahlen: Ein guter Speaker schafft Spannung, erklärt Zusammenhänge und macht die Faszination des Radsports erlebbar. Genau das schafft Christian Rocha.
Gänsehaut jedes Jahr
Trotz aller Erfahrung bleibt die Vorfreude. «Es ist jedes Mal ein Heimkommen », sagt Rocha. Die besondere Atmosphäre, die Nähe zum Sport und die vielen bekannten Gesichter machen Gippingen einzigartig. Und wenn sich im Rennen die Entscheidung anbahnt, eine Fluchtgruppe harmoniert oder ein Favorit zum Angriff ansetzt, «dann beginnt es wieder zu kribbeln». Und genau dann ist Rocha in seinem Element.
Sein Wunsch für die Zukunft ist klar: dass dieser besondere Geist erhalten bleibt, dieser viel zitierte Gippinger Geist. Dass sich weiterhin Menschen engagieren – im OK, als Helferinnen und Helfer oder als treues Publikum – und die Radsporttage mittragen. Denn genau das macht Gippingen aus: echte Leidenschaft für den Radsport, die man nicht nur sieht, sondern auch spürt – und hört.

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